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"Helfen ist humanitäre Pflicht"

29.01.2015

Die Stadt informierte Anwohner über das geplante Wohnheim für Asylbewerber auf dem Motorpool-Gelände.

„Was wir heute nicht wollen, ist eine allgemeine Diskussion um das Asylrecht, denn das ist Gesetz und unsere humanitäre Pflicht“, so eröffnete OB Kissel die Veranstaltung. 
„Was wir heute nicht wollen, ist eine allgemeine Diskussion um das Asylrecht, denn das ist Gesetz und unsere humanitäre Pflicht“, so eröffnete OB Kissel die Veranstaltung.
Beigeordneter Herder erklärte für die Anwesenden, wie die Zahl der Asylbewerber zustande kommt, die der Stadt Worms zugewiesen werden. 
Beigeordneter Herder erklärte für die Anwesenden, wie die Zahl der Asylbewerber zustande kommt, die der Stadt Worms zugewiesen werden.
Christine Ripier-Kramer erläuterte die Wohnsituation die für die Asylbewerber entstehen wird. 
Christine Ripier-Kramer erläuterte die Wohnsituation die für die Asylbewerber entstehen wird.

Infos zur Kontaktaufnahme:

Wer seine Hilfe anbieten möchte oder Fragen hat, kann mit der Stadtverwaltung Kontakt aufnehmen: 

  • E Mail: asyl@worms.de
  • Telefon (0 62 41) 8 53 - 50 01 oder - 10 31.

Viel Konfliktpotential für einen Tag

Es war ein denkwürdiger Tag in Worms, der 27. Januar: Nicht nur, dass die Stadt wie ganz Deutschland der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gedachte, die sich an diesem Tag zum 70. Mal jährte, auch zwei Demonstrationen und eine Kundgebung hielten die Stadt für kurze Zeit in Atem. 

Nur wenige Stunden später konstituierte sich der neu gewählte Beirat für Migration und Integration und am Abend hatte die Stadt zu einer Anwohnerversammlung in die Sporthalle der Pestalozzi-Schule geladen, um die Bürger aus dem Quartier über den Bau einer mobilen Wohnanlage für Asylbewerber auf dem ehemaligen Motorpool-Gelände zu informieren. 

Viel Konfliktpotenzial für einen Tag also, doch glücklicherweise gingen sämtliche Veranstaltungen friedlich über die Bühne. Bereits im Vorfeld hatte die letztendlich von der Stadt als Anwohnerinformationsveranstaltung deklarierte Veranstaltung für Gesprächsstoff gesorgt: Wer darf teilnehmen, wer nicht, waren Fragen, die von allen Seiten diskutiert worden waren. Nichts desto trotz verlief auch diese Veranstaltung reibungslos.

Asylbewerber aufnehmen ist unsere Pflicht

„Was wir heute nicht wollen, ist eine allgemeine Diskussion um das Asylrecht, denn das ist Gesetz und unsere humanitäre Pflicht“, hatte Oberbürgermeister Michael Kissel zu Beginn des Informationsabends deutlich gemacht. Und so bezogen sich die Fragen der Anwohner dann in der Tat fast ausschließlich auf die geplante Einrichtung auf dem Motorpool-Gelände. Zwei Dinge wurden dabei deutlich: Viele Anwohner möchten helfen, fragten nach Spenden- und Unterstützungsmöglich-keiten, nach Dingen, die sie tun könnten, um den Asylbewerbern die Integration zu erleichtern. Andere wiederum sind verunsichert und wären gerne in den Entscheidungsprozess einbezogen worden. „Wir können bei solchen Vorhaben keine Bürgerbefragung durchführen, das würde in ganz Worms zu keinem Ergebnis, geschweige denn zu einem Konsens führen. 

Wir sind verpflichtet, Asylbewerber, die uns zugewiesen werden, aufzunehmen und es ist eine gesamtbürgerliche Aufgabe, für die Unterbringung und Integration dieser Menschen, die in ihrer Heimat unvorstellbares erlebt haben, zu sorgen“, appellierte der Oberbürger-meister an das Verständnis der Wormser Bürger. Gleichzeitig rief er die Bürger zu aktiver Hilfe auf. „Wir können als Stadtverwaltung nicht alles alleine leisten. Bei allen etwaigen Ängsten ist es unsere oberste humanitäre Pflicht, Menschen, die solche Schicksale erlebt haben, aufzunehmen und sich um sie zu kümmern, doch dafür brauchen wir Ihre Hilfe. Ich lade Sie ein, von Mensch zu Mensch Hilfestellung anzubieten“, wandte sich der Stadtchef direkt an die zahlreichen Anwohner, die der Einladung der Stadtverwaltung gefolgt waren.

 

„Solche Menschen brauchen wir hier“

Das Thema stehe nicht nur im Nordend auf der Agenda, sondern in allen Teilen der Stadt. „Und es ist unser aller Aufgabe, dass die Integration gelingt“, betonte er. Als gutes Beispiel nannte er den Ortsteil Rheindürkheim, wo sich zahlreiche Bürger ehrenamtlich um die dort lebenden Asylbewerber kümmern. „Es berührt mich sehr, dass es Menschen gibt, die sich so vorbildlich für die Asylbewerber engagieren. Dies ist ein wunderbares Zeichen von Aufgeschlossenheit und christlicher Nächstenliebe“, machte er deutlich. Vorurteile ließen sich nur dann auflösen, wenn man miteinander in Kontakt trete. 

Gelegenheit zu einer ersten Kontaktaufnahme gab es bereits während der Anwohnerversammlung: Vier Asylbewerber, Selman Almoughrabi und Jameel Hajji Mahmoud aus Syrien, sowie die Brüder Ahmad und Shaker Azizi aus Afghanistan berichteten der Versammlung von ihren Schicksalen und ihrer Lebenssituation in Worms. Die beiden Syrer sind Akademiker, Hajji Mahmoud hat englische Literatur studiert, Almoughrabi war in seiner Heimat Hoch- und Tiefbau-Student. „Solche Menschen brauchen wir hier“, betonte der OB im Hinblick auf den demografischen Wandel und den da-mit verbundenen Fachkräftemangel. 

Weltweit befinden sich aktuell Schätzungen zufolge 50 Millionen Menschen auf der Flucht – alleine 20 Millionen von ihnen haben Zuflucht in der Türkei, in Jordanien und dem Libanon gefunden, leben dort in Zeltlagern unter erbärmlichen Bedingungen, um sich und ihre Familien vor Gewalt und Terror in der Heimat zu schützen. „Auch wenn sich viele Terroristen auf ihre Religion berufen, gibt es keinerlei Grundlage hierfür. Religion und Glaube haben nichts mit Terror und Gewalt zu tun“, fand der OB deutliche Worte.

Der Herausforderung stellen

Rund 200.000 dieser unzähligen Flüchtlinge finden den Weg nach Deutschland. Rheinland-Pfalz nehme, erläuterte Sozialdezernent Waldemar Herder, nach dem so genannten „Königsteiner Schlüssel“ 4,8 Prozent dieser Asylbewerber auf. Hiervon wiederum werden zwei Prozent auf Worms verteilt. Derzeit leben somit 325 Asylbewerber in der Nibelungenstadt – für das aktuelle Jahr rechnet die Verwaltung mit weiteren rund 300 Neuzuweisungen. „Diese immense Steigerung, wie wir sie derzeit erleben, war für uns nicht absehbar. 

Wir sind deshalb bei der Unterbringung an eine Grenze gelangt, die uns vor Herausforderungen stellt“, erläuterte der Dezernent die Hintergründe zu dem geplanten mobilen Wohnkomplex. 60 bis maximal 68 Männer sollen dort untergebracht werden, berichtete Christine Ripier-Kramer, Leiterin des Bereichs 5 – Soziales, Jugend und Wohnen. Generell strebe die Stadt in ihrem Wohn- und Unterbringungskonzept für Asylbewerber eine dezentrale Unterbringung in Wohnungen an, doch müssten auch die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt werden. „Familien haben andere Bedürfnisse im Hinblick auf Unterbringung und Betreuung als allein stehen Männer“, so die Bereichsleiterin. 

Die mobile Wohneinheit wird über Schlafzimmer für jeweils zwei Personen, Gemeinschaftsräume und insgesamt drei Küchen verfügen. Die mittelfristige Planung sieht zunächst fünf Jahre vor. Der künftige Betreiber wird per Ausschreibung ermittelt. Dieser wird die voll umfängliche Betreuung der Bewohner übernehmen. Neben den sozialen Betreuungsaspekten des Betreibers kommen ehrenamtliche Helfer und freie Wohlfahrtspflegeverbände hinzu, die Dienste und Hilfestellungen für die Bewohner anbieten. Darüber hinaus wird ein Sachbearbeiter aus der Verwaltung die Einrichtung mindestens einmal pro Woche besuchen.