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Wormser Unikum - der "Kuhmichel"

Für "fuffzig Penning" hatten sich Schützenbrüder einst einen Spaß mit dem "Kuhmichel" erlaub - darunter auch ein Heinrich Stauffer, dessen Enkel uns davon berichtete.

Zeitungsausschnitt: In der Wormser Zeitung vom 13. Mai 1931 berichtete Konrad Fischer "Etwas vom 'Kuhmichel'". 
Zeitungsausschnitt: In der Wormser Zeitung vom 13. Mai 1931 berichtete Konrad Fischer "Etwas vom 'Kuhmichel'".
Das Restaurant "zur Kajüte" in der Wollstraße 4, Inhaber Robert Schindler. Fotografiert mit Blick in Richtung Restaurant "Goldener Hirsch", Andreasstraße 1. (Foto: Christian Herbst, ca. 1910-1920; Quelle: Stadtarchiv Worms, CH0071) 
Das Restaurant "zur Kajüte" in der Wollstraße 4, Inhaber Robert Schindler. Fotografiert mit Blick in Richtung Restaurant "Goldener Hirsch", Andreasstraße 1. (Foto: Christian Herbst, ca. 1910-1920; Quelle: Stadtarchiv Worms, CH0071)

Etwas vom "Kuhmichel"

Diese lustige Anekdote nebst Ausschnitt aus der Wormser Zeitung von 1931 erreichte uns per E-Mail, Herr Stauffer berichtete:

"Als ich mich kürzlich wieder einmal mit Wormser Freunden traf
kam unser Gespräch auch auf alte Wormser Originale. In der Wormser Zeitung (WZ) vom Mittwoch, den 13. Mai 1931, steht unter "Wormser Anekdoten" von Konrad Fischer etwas über den "Kuhmichel". Eine der beschrieben Personen war mein Großvater Heinrich Stauffer."

Vielen Dank an Herrn Stauffer für diese Geschichte und viel Vergnügen beim Lesen:

Artikel von Konrad Fischer, WZ vom 13. Mai 1931:

Nach einer Vorstandssitzung der Schützengesellschaft ging´s zur Weinwirtschaft von Fritz Clemens.

Sitzt da im Vorderzimmer am runden Tisch das Faktotum ("Mädchen für alles", Anmerkung der Redaktion) der Viehhandlung Bernhrad Hirsch von der Gerbergass Michel Pechel, im Volksmund auch "Kuhmichel" genannt. Und wie schon oft, stifteten einige Schützenbrüder diesem Unikum Teile zur Garderobe. Julius Buschhoff ein ausrangiertes Hemd, das er sich abholen solle. Diflo einen abgelegten Hut, Penk ein paar geplatzte Lackschuhe und Heinrich Stauffer zahlte ihm den Wein und sagte:

"Kuhmichel, hier hast Du noch fuffzig Penning, mit dem Geld gehst Du nachher in die Kajüt und trinkst hinne, bei de feine Herren, zwee Halwe. Verstanne? Aber nur hinne!"

"Mach ich," sagte der Kuhmichel, "mach ich".

Dann begaben sich die Schützenbrüder ins "Vorderdeck" der Kajüte, in Erwartung der Dinge, die da kommen würden. Kurz darauf schlendert durch den Hof der Kajüt unser "Kuhmichel", öffnet die Türe des Allerheiligsten und nimmt mit freundlichem Gruß zum großen Erstaunen am Honoratiorentisch Platz.

Es dauerte erst eine Weile, bis die Herren sich in Stillen darüber klar waren, daß sie doch nicht gewillt seien, ausgerechnet den "Kuhmichel" als neues Mitglied in ihrem Kreis aufzunehmen. August Eller erschien deshalb beim Wirt Schindler, der auch "Schweizer Oberst" tituliert wurde, mit der Frage, was denn der "Kuhmichel" im "Hinterdeck" zu suchen habe.

 

Nun trat Schindler in Aktion, aber der "Kuhmichel" wollte nicht weichen. 

"Ich trink heut mei zwee halbe Wei' do hinne bei de feine Herre. Mei Geld is grad so rund, wie das annere Geld. Ich bleib do drinn!"

Schließlich wurd´s immer lauter im "Oberhaus", bis dann zu guterletzt durch die geöffnete Türe, der "Schweizer Oberst" mit dem "Kuhmichel" in dichten Handgemenge auf dem Fußboden vom "Hinterdeck" durchs "Zwischendeck" ins "Vorderdeck" kullerten, wo beide von den Schützenbrüdern mit Hallo empfangen wurden. 

Und lachend konstatierte Heinrich Stauffer: "der ganze Spaß koscht fuffzig Penning!"

Sie kennen auch eine Wormser Anekdote? Dann schreiben Sie uns: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Stichwort "Wussten Sie´s ?" an info@worms.de (Internetredaktion Stadtverwaltung Worms).