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Der "Lumpenseppl"

"Lumbbee, Eise, Hasefell" - mit diesem Ruf zog einst ein Lumpensammler durch die Wormser Straßen. Lesen Sie hier, was Elke Schilling über ihn zu berichten weiß:

Der Wormser Lumpensammler Seppl Fischer, genannt Lumpenseppl (Quelle: Stadtarchiv Worms, F1440_11) 
Der Wormser Lumpensammler Seppl Fischer, genannt Lumpenseppl (Quelle: Stadtarchiv Worms, F1440_11)

Arm oder reich?

Den "Lumpenseppl" durfte man einst wahrlich zu den Wormser Originalen dazuzählen. Er war ein kleiner, hagerer Mann mit eingefallenen Wangen und einem alten, zerdrückten Schlapphut, der wohl auch schon bessere Zeiten erlebt hatte. In seiner Aufmachung war sein Alter nur schwer einzuschätzen.

Völlig zerlumpt zog er seinen alten Holzkarren durch Worms. Dieser Karren war oftmals mit einem Schweinekopf auf einer Stange steckend "geschmückt" und mit Lumpen sowie sonstigen sonderlichen Dingen behangen und bestückt. Irgendein Metzger hatte den Seppel wohl zu Beginn der Tour damit beglückt. Wenn er durch's Westend zog, dann tönte es laut und vernehmlich: "Lumbbee, Eise, Hasefell" und dabei strahlte sein Gesicht eine große Zufriedenheit aus.

Zur damaligen Zeit hieß die heutige Donnersbergstraße noch Westendstraße, eine einfach Kiesstraße. Nur die "Elektrisch" (Straßenbahn) erinnerte an städtische Verhältnisse.
Nicht zu überhören, schaukelte sie durch die Westendstraße bis zur Endstation bei der Kirche in Pfiffligheim. Über diesen Kiesbelag zog auch der Lumpenseppl seinen rumpelnden, schweren Holzkarren.

Dankbar war er, der Seppel, wenn er etwas bekam und die Leute gaben ihm gerne, sofern sie etwas erübrigen konnten. Jeder glaubte doch, der Seppel wäre ein armer Tropf, der in erbarmungswürdigen Verhältnissen lebe. Tja, das war ein großer Trugschluss, denn nach seinem Ableben wurde gemunkelt, dass er diese Welt als ein reicher Mann verlassen habe.
Niemand konnte so recht dem Wahrheitsgehalt dieses Gerüchtes auf die Spur kommen.
War es philosophischer Art gemeint oder doch auf materielle Güter bezogen?
Nun, einem solch' sonderlichen "Kauz" konnte man ja alles zutrauen.


Erinnerung von P. Binnefeld, Limburgerhof:
Er war überall in der Stadt unterwegs. Beeindruckend für mich, wie er als kleiner Kerl,  immer  zerlumpt gekleidet, seinen schweren Riesen-Anhänger vollbeladen mit Schrott und Ähnlichem geschickt durch die Straßen bugsierte. In seinem zahnlosen Mund hing immer eine Pfeife.

Am hinteren Teil des Wagens war eine Holzkiste angebracht, in der er ihm übergebene Lebensmittel und Brot bunkerte.

 

Danke

Ein Beitrag von Elke Schilling, Schweiz. Vielen Dank dafür!

 
 
 

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